Direktkandidatin Anke Föh-Harshmann

Unser Direkt­kan­di­da­tin für den Wahl­kreis Lim­burg-Weil­burg II. Der Wahl­kreis umfasst die Städ­te und Gemein­den Bese­lich, Bad Cam­berg, Löhn­berg, Men­gers­kir­chen, Meren­berg, Run­kel, Sel­ters (Tau­nus), Vill­mar, Weil­burg, Weil­müns­ter, Wein­bach sowie die Gemein­de Wald­soms des Lahn-Dill-Kreises.

  • 03.03.1971
  • Heil­prak­ti­ke­rin, Media­to­rin, Kon­flikt­coach – freiberuflich
  • Stu­di­um der Sozio­lo­gie und Volks­wirt­schafts­leh­re (Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg und J.W. Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt) – Schwer­punk­te femi­nis­ti­sche Sozi­al­for­schung und Wirtschaftssoziologie
  • Wohn­haft in Hadamar-Steinbach

Seit wann bist du bei den GRÜNEN?

Gewählt habe ich schon immer GRÜN, weil sie die ein­zi­ge Par­tei ist, die für mich glaub­haft an nach­hal­ti­gen Lösun­gen für eine bes­se­re Welt arbei­tet. Ein­ge­tre­ten bin ich dann 2020, weil mir klar wur­de, dass es jetzt „gilt“.

War­um bist du den GRÜNEN beigetreten?

In Hada­mar hat­te sich kurz zuvor ein Orts­ver­band der Grü­nen gegrün­det. Aus Inter­es­se bin ich dann zu einer Sit­zung gegan­gen. Es gibt hier so viel zu. Ich hat­te gera­de mit einem Nach­barn, der damals Grün­dungs­mit­glied in Hada­mar war, eine Anwohner*innenbefragung zur Ver­kehrs­be­las­tung in Stein­bach durch­ge­führt. Der Unmut in der Bevöl­ke­rung war groß. Ich woll­te selbst was tun.

Hast du es dir anders vor­ge­stellt eine GRÜNE zu sein?

Nein. Da pas­sen Vor­stel­lung und Rea­li­tät zum Glück gut zusam­men (lacht). Hier wird debat­tiert und um Lösun­gen gerun­gen. Wir sind uns nicht immer einig, kom­men aber mit dem Anders­sein der ande­ren gut klar. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist fair, direkt und auf Augen­hö­he, so hat­te ich mir das vor­ge­stellt. Es gibt vie­le zugleich hand­fes­te, boden­stän­di­ge und gleich­zei­tig offe­ne und krea­ti­ve Men­schen bei den GRÜNEN. Die Mischung aus Rea­lis­mus und Visio­nen gefällt mir gut.

War­um kan­di­dierst du?

Die poli­ti­sche Arbeit vor Ort macht mir Spaß, man kann viel in direk­tem Kon­takt mit­ge­stal­ten. Manch­mal trifft man jedoch auf Hür­den, die auf einer über­ge­ord­ne­ten Ebe­ne betrach­tet wer­den müs­sen. Hier geht es vor allem um eine Ände­rung der „poli­ti­schen Kul­tur“. Es geht nicht nur dar­um popu­lis­ti­sche Plat­ti­tü­den zu ent­lar­ven, son­dern auch dar­um, wel­che Bewer­tun­gen und Prio­ri­tä­ten das poli­ti­sche Han­deln bestim­men und wel­che Ein­flüs­se sie haben auf Geset­ze und Rah­men­be­din­gun­gen. Die­se wer­den eben nicht auf kom­mu­na­ler Ebe­ne gemacht, schrän­ken aber die Hand­lungs­spiel­räu­me vor Ort ein. Ich möch­te die­se Rah­men­be­din­gun­gen mit­ge­stal­ten und so ver­än­dern, dass vor Ort noch mehr umge­setzt wer­den kann.

Wie kann man dich unterstützen? 

Wel­che poli­ti­schen Ämter hat­test du bis­her? Fin­dest du, die­se Ämter haben dich gut auf ein Amt im Land­tag vorbereitet?

Mei­ne poli­ti­schen Ämter fin­gen nicht erst mit mei­nem Par­tei­ein­tritt an. Ich war schon in der Schu­le Schü­ler­spre­che­rin, dann stu­den­ti­sche Ver­tre­te­rin im Uni­ver­si­täts-Frau­en­rat der Uni Frank­furt, dann über vie­le Jah­re Vor­sit­zen­de des Schul­el­tern­bei­ra­tes – und jetzt bin ich im Orts­bei­rat Stein­bach, Stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen Frak­ti­on in Hada­mar und Mit­glied in der Grü­nen Kreis­tags­frak­ti­on Lim­burg-Weil­burg. Mei­ne Erfah­run­gen in den ver­schie­de­nen Aus­schüs­sen, die Frak­ti­ons­ar­beit und mei­ne außer­par­la­men­ta­ri­schen Erfah­run­gen geben mir eine sehr gute Basis für die zukünf­ti­ge Landtagsarbeit. 

Egal in wel­chem die­ser Ämter, es war mir immer wich­tig, unvor­ein­ge­nom­men auf ande­re zuzu­ge­hen. Das habe ich früh gelernt und genie­ße das auch.

Was möch­test du errei­chen, wenn du gewählt wirst?

Mir lie­gen der länd­li­che Raum und die Her­aus­for­de­run­gen in den Land­krei­sen sehr am Her­zen. Ich habe an vie­len Orten gelebt, dar­un­ter waren sowohl Groß­städ­te wie Frank­furt und Bos­ton, sowie Klein­städ­te und seit fast 17 Jah­ren nun der Land­kreis Lim­burg-Weil­burg. Im länd­li­chen Raum lie­gen DIE Span­nungs­fel­der unse­rer heu­ti­gen Zeit. Hier ent­schei­det es sich, ob wir den Kli­ma­wan­del auf­hal­ten kön­nen, die Her­aus­for­de­run­gen für unser demo­kra­ti­sches Sys­tem bewäl­ti­gen und sozia­le Gerech­tig­keit her­stel­len können.

Auf dem Land wur­de seit vie­len Jah­ren die Infra­struk­tur zuguns­ten der Städ­te abge­baut. Klei­ne­re Kli­ni­ken mach­ten ihre Türen zu, Bahn­stre­cken wur­den still­ge­legt, jun­ge Leu­te zie­hen in die Städ­te, um nur ein paar Punk­te zu nen­nen. Mir geht es in mei­ner poli­ti­schen Arbeit um eine demo­kra­ti­sche und tole­ran­te Gesell­schaft, die Men­schen dazu ein­lädt sich zu betei­li­gen, die Tra­di­tio­nen pflegt, die Natur und auch die Land­wirt­schaft erhält. 

Wie lösen wir den Kon­flikt zwi­schen Kli­ma­schutz und Umbau der Land­wirt­schaft im Span­nungs­feld einer EU-Agrar­för­de­rung, die sich nur mit größ­ten Wider­stän­den aus den Grif­fen der Agrar-/Dün­ger-Lob­by löst? Ich will in den Aus­tausch mit den Land­wirt*innen gehen, denn wir brau­chen sie drin­gend an unse­rer Sei­te – nicht gegen unse­re GRÜNEN Ideen.

Ich wer­de mich ein­set­zen für eine effek­ti­ve­re Mobi­li­tät mit­hil­fe von lan­des­wei­ten Schnell­bus­li­ni­en, mit­ein­an­der ver­knüpf­ten, gut getak­te­ten Kno­ten­punk­ten von loka­lem, regio­na­lem und Schnell-Ver­kehr, ergänzt durch lan­des­wei­te On-Demand- und Car-Sha­ring-Ange­bo­te. Hier braucht es mehr Pilot­pro­jek­te, die den Men­schen durch eige­ne Erfah­run­gen ver­mit­teln, dass sie ihr Auto im All­tag nicht (mehr) brau­chen, weil es ein­fach bes­se­re Lösun­gen gibt. Das geht nur durch nied­rig­schwel­li­ge und sinn­vol­le Ange­bo­te. Die Hoch­schu­len ver­sor­gen uns seit Jah­ren mit zukunfts­fä­hi­gen und umsetz­ba­ren Kon­zep­ten hier­zu. Auch müs­sen die Kom­mu­nen deut­lich mehr Hand­lungs­spiel­räu­me bekom­men beim The­ma Ver­kehrs­be­ru­hi­gung. Es leben vie­le Men­schen an Durch­fahrts­stra­ßen in den Dör­fern. Wei­te­re Umge­hungs­stra­ßen sind nicht unse­re Lösung. Ich wer­de mich in Wies­ba­den für eineernst­haf­te, vom Men­schen her gedach­te, Neu­be­wer­tung von Stadt- und Ver­kehrs­ent­wick­lung ein­set­zen. 

Es ist wich­tig, dass wir GRÜNE eine poli­ti­sche Mehr­heit erlan­gen, denn wir müs­sen das Tem­po nicht auf den Auto­bah­nen stei­gern, son­dern im Kli­ma­schutz und der Verkehrswende.

Gera­de im länd­li­chen Raum muss es dar­um gehen, Initia­ti­ven vor Ort zu unter­stüt­zen – der Erhalt von Tra­di­tio­nen war bis­her für vie­le Men­schen mit den CDU-Orts­grup­pen ver­bun­den (man­cher­orts auch der SPD).  Tra­di­ti­on hat ja erst ein­mal etwas mit Bewah­ren zu tun – und das wol­len wir auch! Acker­land und Wald bewah­ren, Arten­schutz und gesun­de Luft, sau­be­res Was­ser und leben­di­ge Gemein­schaf­ten. Es gibt jetzt schon vie­le GRÜNE Bemü­hun­gen kul­tu­rel­le Initia­ti­ven in den länd­li­chen Räu­men zu unter­stüt­zen. För­der­töp­fe und Büro­kra­tie­ab­bau (Erleich­te­rung bei Anträ­gen und Orga­ni­sa­ti­on) sind hand­fes­te Erleich­te­run­gen, die demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren stär­ken. Wir müs­sen uns den Dis­kus­sio­nen und Ängs­ten der Men­schen stel­len. Ver­än­de­run­gen kön­nen Angst machen, aber ohne Ver­än­de­rung wird es ins­be­son­de­re auf dem Land kei­ne Zukunft mit Tra­di­tio­nen und lebens­wer­ter Natur mehr geben. Ich wer­de den Dia­log suchen und erklä­ren, dass Kli­ma­schutz heu­te die Kir­mes von mor­gen am Leben erhält!

Wir müs­sen die Span­nun­gen zwi­schen Umweltschützer*innen und Vertreter*innen der Erneu­er­ba­ren Ener­gien aus­hal­ten und ver­su­chen, Brü­cken zu schla­gen von einem schüt­zens­wer­ten Gut zum ande­ren. Es funk­tio­niert nicht gegen­ein­an­der, son­dern nur im Schulterschluss! 

Und durch all die poli­ti­schen The­men hin­durch zieht sich für mich grund­sätz­lich die stär­ke­re Ein­be­zie­hung der weib­li­chen Per­spek­ti­ve. Allein­er­zie­hen­de Müt­ter im länd­li­chen Raum brau­chen Kin­der­be­treu­ungs­an­ge­bo­te, die es ihnen erlau­ben, einer aus­kömm­li­chen Arbeit nach­zu­ge­hen. Wir brau­chen mehr Frau­en in den Par­la­men­ten, den Vor­stän­den und Gre­mi­en, damit die Aus­wir­kun­gen von Stadt- und Ver­kehrs­pla­nung, von flä­chen­de­cken­der Gesund­heits­ver­sor­gung, Beleuch­tun­gen an Bus­hal­te­stel­len und Rad­we­gen aus Frau­en­sicht berück­sich­tigt wer­den. Unse­re Fami­li­en- und Berufs­struk­tu­ren sind im Wan­del und es wird Zeit, die Per­spek­ti­ve von Frau­en im länd­li­chen Raum deut­lich mehr in den Blick zu neh­men. Als Dele­gier­te des Hes­si­schen GRÜNEN Frau­en­ra­tes bin ich hier im ste­ten Aus­tausch mit ver­schie­de­nen Akteurinnen.

Dazu kommt, dass die Schlie­ßung von Haus­arzt­pra­xen und die Ver­la­ge­rung von Fach­arz­t­an­ge­bo­ten bzw. eines Groß­teils der Gesund­heits­ver­sor­gung in die Kreis­städ­te bedeu­tet, dass es zu einer Dis­kre­panz zwi­schen den Bedürf­nis­sen der zuneh­mend älte­ren Bevöl­ke­rung in der Flä­che und den Ange­bo­ten in den Städ­ten kommt. Die­se Ent­wick­lung muss durch eine ver­än­der­te Gesund­heits­po­li­tik. Ich wer­de mich für die Siche­rung von Anlauf­stel­len und für ver­läss­li­che Ansprechpartner*innen für gesund­heit­li­che und pfle­ge­ri­sche Belan­ge vor Ort einsetzen!

Was ver­bin­dest du mit dei­nem Wahl­kreis? Was gefällt dir dar­an am besten?

Mit­ten durch mei­nen Wahl­kreis ver­läuft die Lahn, eine der schöns­ten Fluss­land­schaf­ten Hes­sens. Vie­le Etap­pen bin ich mit­hil­fe der „Lahn­pi­ra­ten“ mit mei­nen Freund*innen und der Fami­lie schon abge­fah­ren. Span­nend fin­de ich die Zei­ten, wenn die Lahn so viel Was­ser führt, dass einem ganz klar wird, wie wich­tig die Über­flu­tungs­ge­bie­te und Auen­land­schaf­ten sind. Auf den Pad­del­tou­ren habe ich vom Eis­vo­gel bis zur Schild­krö­te und den sehr lie­bens­wer­ten Grau­rei­hern eine auf den ers­ten Blick intak­te Natur genie­ßen kön­nen. Schaut man aller­dings hin­ter die Kulis­sen, wird schnell klar, dass sich auch die­se wun­der­ba­re Land­schaft unter immensem Druck befindet.

Der Land­kreis Lim­burg-Weil­burg steht für mich aber auch für stark ver­wur­zel­te geleb­te Tra­di­tio­nen, eine rege Ver­eins­kul­tur und die wirt­schaft­li­che Nähe zum Rhein-Main-Gebiet. Es gibt vie­le klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men im Land­kreis, aber auch die Rea­li­tät des Pen­delns in die Metro­pol­re­gi­on. Vie­le jun­ge Men­schen zieht es zum Stu­di­um in die Groß­städ­te. Oft blei­ben sie, da sie dort anschlie­ßend bes­ser dotier­te Arbeits­plät­ze fin­den. Aber auch die umge­kehr­te Wan­de­rung ist zu beob­ach­ten. Immer häu­fi­ger zie­hen Fami­li­en aus den Städ­ten aufs Land, da die Immo­bi­li­en­prei­se in den letz­ten Jah­ren rasant gestie­gen sind. Damit steigt der Druck auf die Kom­mu­nen, Wohn­mög­lich­kei­ten, Bil­dungs- und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen sowie ande­re Infra­struk­tur­an­ge­bo­te aus­zu­wei­ten. Der Digi­ta­li­sie­rungs­fort­schritt ist hier oft­mals der ent­schei­den­de Fak­tor, in wel­cher Kom­mu­ne sich die Neubürger*innen letzt­end­lich nie­der­las­sen. Klar ist in jedem Fall, „Du brauchst auch mit Home Office als Hei­mat­ver­bun­de­ner für dei­nen Job ein­fach gutes Internet“!

Was gefällt dir an der GRÜNEN Lan­des­po­li­tik gegen­wär­tig am bes­ten und was gar nicht?

Wir wer­den in Wies­ba­den von vie­len kom­pe­ten­ten und enga­gier­ten GRÜNEN Parteifreund*innen ver­tre­ten. Wenn ich in einen Raum mit 50 GRÜNEN kom­me, weiß ich ein­fach – von denen sind fast alle wirk­lich über­zeugt von dem, wofür sie sich einsetzen.

Das fin­de ich in unse­rer Par­tei moti­vie­rend und befrei­end zugleich. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on über die Sozia­len Medi­en läuft gut, aber wir blei­ben an zu vie­len Stel­len in unse­rer eige­nen Bla­se. Ich wür­de mir noch mehr wün­schen, dass wir die GRÜNEN Inhal­te nicht tech­no­kra­tisch und ver­wal­tungs­recht­lich ver­tre­ten, son­dern sie INHALTLICH ein­ord­nen. Wir wer­den als die Par­tei emp­fun­den, die sich in Stu­di­en und Hoch­schul­mi­lieus am wohls­ten fühlt, sich aber manch­mal schwer­tut, die Men­schen mit­zu­neh­men, die sich vor Ver­än­de­run­gen sper­ren. Wir müs­sen zu den Men­schen gehen, dahin, wo sie sind! Wir müs­sen bes­ser zuhö­ren und die Men­schen ein­bin­den. Nur dann schaf­fen wir es, genug von ihnen davon zu über­zeu­gen, UNS ihre Stim­me und damit die poli­ti­sche Mehr­heit zu geben im Herbst 2023. Und dann krem­peln wir unse­re Ärmel hoch und schüt­zen die Zukunft unse­rer Kinder!